Sigmund Freud haben wir diesen langlebigen Irrglauben zu verdanken. Der Erfinder des
Penisneids ordnete den weiblichen Orgasmus in zwei Kategorien ein: Den Höhepunkt, den eine
Frau durch Stimulation der Klitoris erreicht, ist laut Freud Beweis für eine unreife
Sexualität.
Frauen mit klitoralen Orgasmen hätten sich noch nicht mit der Tatsache abgefunden, dass die
Schöpfung ihnen den Penis vorenthalten hat. Nur Frauen, die sich mit ihrer passiven Rolle als
Empfangende abgefunden hätten, seien in der Lage, beim Geschlechtsverkehr vaginale
Orgasmen zu erleben.
Der Penis als allein selig machender Zauberstab: Wenn es der Gespielin trotz heftigem Rein und
Raus nicht kommen mag, dann liegt es daran, dass bei ihr was nicht richtig ist – eine
Vorstellung, die Männern sofort einleuchtet. Und vielen Frauen bis heute den Spass am Sex
vermiest. Weil sich bei ihnen das Feuerwerk der Lust nur durch eine Massage der Klitoris
entzündet, glauben sie, einen Orgasmus zweiter Klasse zu haben. Dabei bewiesen die
Sexualforscher William Masters und Virginia Johnson bereits Mitte der sechziger Jahre, dass
die beiden Varianten des Hohepunkts sich nicht unterscheiden.
Die Nerven im unteren
Beckenraum stehen in engem Austausch mit unserem Lustzentrum, der Klitoris. Bei einigen
Frauen reicht die Reibung des Penis in der Vagina aus, um die Klitoris indirekt so zu stimulieren,
dass es zum Höhepunkt kommt. Doch die Mehrheit (etwa 70 Prozent) braucht dafur manuelle
oder orale Nachhilfe.